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Der Grefrather Ortsteil Mülhausen gehörte bis zur kommunalen Neugliederung 1970 zur Gemeinde Oedt. Mülhausen hat ca. 1300 Einwohner.
Zum Amt Oedt, das bis 1800 bestand, gehörte die Honschaft Unterbruch (das heutige Clörath) bis Hof Klapdohr in Schiefbahn, die Honschaft Hagen und das Kirchspiel Oedt, das in die Honschaft Auffeld und in die Honschaft Niederfeld unterteilt war. Die Grenzen zwischen den beiden Honschaften Auffeld und Niederfeld am Verwaltungshof der Abtei Gladbach, die heutige Pastorat und die Tönisvorster Str.
In der Mitte des heutigen Mülhausen stand früher die Kurfürstliche Mühle (Brauwers Mühle), die schon 1237 erwähnt wurde und noch bis ins 20. Jh. Bestand, und auf der wohl der Name Mülhausen zurückgeht.
In fränkischer Zeit war Mülhausen ein Bestandteil des Mühlgaues. Die Kurfürstliche Mühle gehörte zum Hofgut Mula. Dieses Hofgut war Eigentum der Abtei Gladbach. Um dieses Gut entwickelte sich die Ortschaft Mülhausen (bis ins 18. Jh. Mühlhausen geschrieben).Die erste Mülhausener Kapelle am Venn, wurde von den Mülhausern Bauern Ende des 17. Jahrhundert errichtet, die jedoch von den kirchlichen Stellen nur geduldet und nicht geweiht wurde.
Um 1170 existierte der Ortsteil Mülhausen noch nicht. Die erwähnte Kapelle stand an der Stelle der heutigen Oedter Pfarrkirche und war eine Gladbacher Eigenkirche. Die Honschaften Unterbruch und Hagen gehörten kirchlich zu Anrath und politisch zu Oedt. Das Oedter Kirchspiel gehörte kirchlich zur Pfarre Kempen und obwohl die wenigen Oedter Bürger im 13. und 14. Jahrhundert am Gottesdienst in der Oedter Abteikapelle teilnehmen durften, erteilte die Kempener Mutterpfarre alle Sakramente. Alle Bürger der Oedter Nordhälfte mussten nach St. Peter, wenn eine Taufe, Hochzeit oder Sterbefall anstand. Später wurde die Pfarre zur Stadtkirche Kempen verlegt. Die sich erst im 14. Jahrhundert entwickelte, die Oedter Kirche wird erst Ende des 15. Jahrhundert eigenständig.
Der erste Mülhausener Schulbetrieb wird 1660 erwähnt, eine Schule gab es noch nicht. Der Unterricht fand im Privathaus des Lehrers statt. Die erste Mülhausener Schule am Venn, entstand Ende des 17. Jahrhundert durch Umbau eines Wohnhauses.
Die Schützenbruderschaft St. Vitus- Jungessellen Mülhausen gibt es schon seit 1664.
Nördlich der Mühle stand der Drinkhof (errichtet 1717), eine beliebte Gaststätte mit eigener Brauerei. Hier war auch die einzige Überfahrt mit dem Floß nach Grefrath. Im Jahre 1887 kamen die Schwestern "Unserer Lieben Frau" nach Mülhausen, um hier ein Kloster und eine Schule mit einem Internat zu errichten. Sie kauften die Villa Bongartz, den Drinkhof und später auch die Mühle, um das Kloster und die Mädchenschule zu erweitern.
Ein weiteres Kloster existiert im äußersten Norden von Mülhausen. Die Abtei Mariendonk und das umliegende Land um den abgerissenen Berghof geht auf eine Schenkung der letzten Besitzerin der Neerdommer Mühle, Johanna Stieger zurück. Die Schenkung ging an die Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung.
Im Preußischen Kulturkampf wurden sie nach Driebergen in den Niederlanden vertrieben. Der Klosterbau im Niederfeld wurde im Oktober 1900 bezugsfertig.
Früher versorgten sich die Benediktinerinnen durch ihre Landwirtschaft und der Hostienbäckerei selbst. Heute leben sie von den Einnahmen des Hostienverkaufes, der Paramentenweberei und -stickerei sowie dem Verkauf von selbst gestalteten Kerzen. In jüngster Zeit werden auch Exerzitien und Seminare angeboten.
Der älteste Teil von Mülhausen liegt im gesamten Niederfeld, was schon zur Römer - und Frankenzeit besiedelt war, was z.B. durch das Frankengrab an der Grasheiderstr. und an anderen Funden belegt ist.
Die Motte "Horbes Bergs´ke" ein künstlicher Hügel aus Sand und Kies war mit einem wasserführenden Grabensystem umgeben und war als Wehr- und Wohnanlage bebaut und stammt aus einer späteren Zeit.
Mülhausen und die Grasheide ist mit einer zwei Kilometer langen Lindenallee verbunden, die auf einer Sandbank des Altrheines liegt, der vor der letzten Eiszeit hier floss. Beidseitig der Allee sind dreizehn Höfe angesiedelt. Diese Bauernzeilen sind eine landestypische Siedlungsform für den Niederrhein und werden als prägender Bestandteil der Kulturlandschaft gewertet. Die ältesten Höfe sind Aldenhoven , einem ehemals wasserumwehrten freien Rittergut aus dem 16. Jh. und der Lepershof aus dem 17. Jh., sowie der Berghof der vor der Neersdommer Mühle lag einem ehemaligen freiadeligen Hof.
Zwischen Niers und Schleck liegt die Neersdommer Mühle, die schon 1354 im Besitz des Herzogs von Geldern war, der sie 1522 an den Kölner Erzbischof verkaufte. In der ehem. Mühle befindet sich heute eine Champignonzucht.
Die Niers in Mülhausen liegt in einem 1989 errichteten Naturschutzgebiet mit Feuchtwiesen, Mooren und Weihern. Das Gebiet ist sehr artenreich, z.B. lebt hier die Zwergfledermaus, der Steinkauz, der Baumfalke und der Kleinspecht, die alle zu den gefährdeten Tierarten gehören.


