Heimatverein Oedt e.V.

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Die Madonna von Oedt

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Im Eingangsbereich unseres Heimatmuseums ist sie nun aufgestellt, die Schwester unserer berühmten gotischen Madonna von Oedt (links).
Das Original (rechts) ist im sakralen Bereich des Kramer-Museums in Kempen zu sehen.

Historie:

Allgemein

Frühe Marienbilder stammen bereits aus dem 2.Jahrhundert. Sie sind beispielsweise in den Katakomben von Rom zu sehen. Maria wurde hier jedoch nicht eigenständig, sondern vom Thema aus am Leben Jesu oder der Theologie Christi orientierten Szenen dargestellt. Die Zahl der Marienbilder nahm zu, nachdem Maria im Jahre 431 auf dem Konzil von Ephesus als Gottesmutter dogmatisiert worden war. Ab diesem Zeit-punkt entwickelten sich eigenständige Marienbildtypen.

Seit dem 3.Jahrhundert bildet das Marienbild den häufigsten Gegenstand der christlichen Kunst, der sich auf zahllosen Bildmedien und in vielfachen inhaltlichen Zusammenhängen präsentiert und der Marienverehrung bildhaften Ausdruck verleiht. Die westeuropäische Kunst entwickelte weniger strenge Darstellungsformen als die byzantinische. Allerdings bildeten sich auch hier Formen, wie die thronende Madonna als Mutter Gottes, mit Kind und Bildnisse der stehenden Maria, mit oder ohne Kind heraus.

Etwa 1490 schuf Kersten Woyers da Original der Muttergottes von Oedt vermutlich in seiner Werkstatt in Venlo. In dieser Zeitspanne hat sich die Theologie unter dem Einfluss von Bernhard von Clairveaux gewandelt. Marienbilder verloren allmählich ihre kultbildhafte Starre und wurden menschlicher. Auch wenn bei der Oedter Madonna die streng frontale Haltung der thronenden Gottesmutter der Romanik noch etwas beibehalten ist, so belebt doch schon ein feines Lächeln die Züge der Madonna und des Kindes, das sie mit ihrer linken Hand liebevoll umfängt. Das Kind selbst hält mit der rechten Hand die Weltkugel (die bei unserer Replik noch nicht vorhanden ist). Die unbekümmerte Haltung des Kindes mit staunend geöffnetem Mund steht in einem Kontrast zu dem ordentlich reich in Falten fallenden Gewand der Madonna.

Friedrich Gorissen aus Kleve hat 1971 die Original Oedter Madonna wissenschaftlich untersucht. Neben der Altersbestimmung hat er auch festgestellt, dass gegen Ende des 15. Jahrhundert die Anfertigung einer sitzenden Madonna mit Kind sehr ungewöhnlich war. Seine Meinung: "Wäre zu diesem Zeitpunkt der Bildschnitzer frei gewesen, hätte er ein Standbild geschaffen." Er geht zum Schluss davon aus, dass der Bildschnitzer Kersten Woyers ein älteres Marienbild des 13. oder 14. Jahrhundert wiederholte. Es gibt viele Beispiele dafür, dass zerstörte oder beschädigte Figuren von späteren mittelalterlichen Meistern wieder hergestellt wurden. Es ist bis heute nicht bekannt, ob am Ende des 15. Jahrhunderts durch kriegerische oder andere Ereignisse die Kirche von Oedt und somit auch ein Liebfrauenaltar mit der Skulptur der Oedter Madonna so beschädigt wurde, dass eine Neuschaffung erforderlich wurde.

Bei der Fertigung unserer Replik und der damit verbundenen Restaurierung des Originals hat der Holzbildhauermeister Karsten Püschner festgestellt, dass die Oedter Madonna früher auch farblich gefasst sein musste. Farb- und Kreidereste waren noch in winzigen Partikeln vorhanden. Auch der Sockel muss wohl einmal um ca. 2,5 cm gekürzt worden sein. Seiner Meinung und auch nach den Ausführungen von Friedrich Gorissen war die Oedter Madonnenskulptur Bestandteil eines Marienaltars. Und dieser war laut Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1891 ein Borockretabel.

madonna_kramer-museum_1926(links: Altes Foto vom Kramer-Museum Kempen um 1926, veröffentlicht in "Oedt im Rheinland 1926" herausgegeben anlässlich des Kreisfeuerwehrfestes in Oedt)

Erst im 18. Jahrhundert wurden aus Silber die Kronen für die Gruppe angefertigt, dem Jesuskind wurde eine Weltkugel in die erhobene rechte Hand gelegt, die Madonna bekam ein Zepter.

Erich Stephany (Buchmitautor von "Die Kirche St. Vitus in Oedt" zur 800-Jahrfeier der Gemeinde) aber auch der Heimatverein Oedt haben sehr bedauert, dass man vor mehr als 110 Jahren sagte, dass eine solche Figur nicht mehr in die neue Kirche passe. Für 300 Mark war sie rechtmäßig verkauft worden und kam mit der Sammlung von Konrad Kramer 1917 ins Kramer-Museum Kempen.

Der Heimatverein Oedt hat sich mehrmals darum bemüht, die Madonna nach Oedt wieder zurück zu holen. Aber leider immer ohne Erfolg war die Museumsleitung des Kramermuseums sich doch des hohen Kunstwertes der Skulptur bewusst. In Kramer-Museumsführern wurde stets auf die besonders schöne sitzende Madonna aus der Pfarrkirche Oedt hingewiesen.

Johannes Lipp, der damalige Vorsitzende des Heimatvereins gab in einem Lichtbildvortrag am 18. März 1966 den Mitgliedern einen Einblick in das umfangreiche Gebiet der rheinischen Kunstgeschichte. Von der Oedter Madonna wusste er zu berichten, dass leider keinerlei Urkunden, oder Archivalien vorliegen, die über die Herkunft der Madonna bzw. über die Werkstatt, in der sie gefertigt wurde Auskunft gaben. Mit Hilfe von zwei Diaprojektoren wurde anschaulich gemacht, dass eine Katharinenfigur aus einer Düsseldorfer Privatsammlung, sowie zwei niederländische Anna selbdritt (Dreiergruppe) Figurengruppen, alle einwandfrei als Werke des Meisters Kersten Woyers identifiziert, haargenau in vielen Details mit der Oedter Madonna übereinstimmen. Ob es die eigenartigen Nebenlöckchen, der Faltenwurf der Gewänder, die Drapierung des Stoffes, die Kopfform und der Gesichtsausdruck waren, alles ließ jeden Zweifel ausschließen, dass Kersten Woyers der Schnitzer der Oedter Madonna gewesen sein muss. (Dieses Ergebnis wurde von Friedrich Gorissen, aus Kleve 1971 in seinem wissenschaftlichen Gutachten -siehe oben- bestätigt.)

Aus den Unterlagen des Heimatvereins war zu ersehen, dass man im Jahr 1962 und im Jahr 1998 versucht hatte, eine Replik der Oedter Madonna auf Kunststoffbasis fertigen zu lassen. Das konnte aber bis heute nie verwirklicht werden.

Ermutigt durch die gelungene Restaurierung der Franziskus-Skulptur plante der Heimatverein im Februar 2009 die Anschaffung der Replik der Oedter Madonna. Dem Kostenvoranschlag folgte die Planung der Finanzierung. Und die gestaltete sich erfreulicherweise sehr positiv. So konnten wir durch die großzügige Förderungszusage von der Stiftung der Sparkasse Krefeld zur Förderung der Natur und Kultur im Kreis Viersen, sowie mit den Zuwendungen der Volksbank Kempen-Grefrath eG, des Gewinnsparverein bei der Sparda-Bank West e.V. Düsseldorf, den Gemeindewerken Grefath‚GmbH, des Garten- und Landwirtschaftsbetriebes Wolfgang Wirth, Grefrath und einigen  anderen Spendern die Arbeit in Auftrag geben. Zunächst hatte das Atelier Ars Servandi - Krieger & Stahlmann GbR eine Schnitzerin mit der Arbeit beauftragt. Nach eineinhalb Jahren war nach Handgelenkbruch und mehreren anderen Verzögerungen kein akzeptables Ergebnis zu erkennen. Nach Bemühungen von Herrn Oliver Stahlmann mit Unterstützung von Herrn Matthias Sandmann vom Kramermuseum Kempen konnte der Studienkollege der beiden, Karsten Püschner, aus Hartmannsdorf bei Dresden für die Arbeit gewonnen werden. Mit der Auswahl des Diplomrestaurators (FH) und Holzbildhauermeisters Karsten Püschner hatten wir großes Glück. Er verfügt über ganz hervorragende Referenzen und hat sich einen Namen auch als Retter alter holzgeschnitzter Altarskulpturen gemacht und zwar durch sein spezielles Verfahren mit Niederdruckkammern. Karsten Püschner schuf die Replik vom Holzstück bis zur Fertigstellung in reiner Handschnitzarbeit! Ohne die großzügige Einwilligung von Frau Dr. Friehse, der Leiterin des Kramermuseums, die wertvolle Madonna vertrauensvoll in das Atelier von Karsten Püschner für die Replikanfertigung transportieren zu lassen, wäre die Schaffung der Replik nicht möglich gewesen. Dafür an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön.

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Holzbildhauermeister Karsten Püschner in seinem Atelier bei der Anfertigung unserer Replik

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Die absolute Übereinstimmung mit dem Original machte alle Anwesenden beim ersten Anblick bei der Übergabe sprachlos.

Der Heimatverein ist froh, dass er nun so ein hochwertiges Kunstwerk von besonderem Wert für uns im Oedter Heimatmuseum zeigen kann.

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Die wunderschöne Replik aus 300jährigem Eicheholz vom Teutoburger Wald Das Original ist aus Eichenholz vom Niederrhein.