Heimatverein Oedt e.V.

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Die Entwicklung des Postwesens in Oedt

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postkutscheDas Postwesen in früherer Zeit ist mit gewissen Vorstellungen behaftet. So denkt man in Verbindung mit der Post, an eine Postkutsche, die mit einem Posthorn blasenden Postillion durch die Lande fährt. Die im 16. und 17. Jahrhundert durch das Haus Thurn und Taxis eingerichteten Poststrecken entsprachen auch diesen Vorstellungen. Der Niederrhein blieb jedoch noch lange Zeit von der Post- und Personenbeförderung ausgespart. Schriftliche Nachrichten wurden durch Boten überbracht und eine Personenbeförderung gab es nicht. Der besser gestellte Niederrheiner fuhr mit der Kutsche oder ritt auf seinem Pferd. Die ärmere Bevölkerung verreiste zu Fuß, was den Aktionsradius natürlich sehr einschränkte.
Die erste Poststrecke am Niederrhein wurde 1687 von Kleve nach Köln, als Verlängerung der Strecke von Berlin nach Kleve, vom Kurfürsten von Brandenburg eingerichtet. Im Jahre 1692 errichtete der Holländer Wilhelm Vleetmann, mit Genehmigung des Herzogs von Jülich, eine Personenpost von Düsseldorf nach Venlo. Diese Strecke bestand jedoch nur kurze Zeit, da der Generalpostmeister von Thurn und Taxis sich beim Kaiser beschwerte, der die Strecke einstellen ließ. Die Preußen richteten dann 1763 eine weitere Poststrecke von Kleve nach Neuss ein.
Der Niederrhein blieb jedoch postalisch unterentwickelt, was wohl daran gelegen haben mag, dass kein Bedürfnis für einen regen Briefwechsel und Güteraustausch bestand.
Nach dem Wiener Kongress 1815, übernahm der Preußische König die Herrschaft am Niederrhein. Die Preußen errichteten 1835 eine Poststrecke von Krefeld nach Kempen und 1836 weiter nach Kaldenkirchen, die 1838 eine Verbindung zur Strecke Gladbach - Venlo bekam.
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Erste Briefsammelstelle, Hochstr., von1837 bis 1853
Der Postmeister Passenbronder aus Gladbach, ließ am 26. Juli 1837 in Oedt eine Briefsammlung einrichten, deren erster Vorsteher Franz Syben hieß. Diese Briefsammelstelle war im Hause Hochstr. 37 untergebracht (Geschäftshaus Hardering-Ponzelar).
Vom 1. August 1837 verkehrte dann von Kempen nach Oedt und zurück eine Botenpost, die im darauffolgendem Jahr bis nach Süchteln und zurück ausgedehnt wurde. Über die Einnahmen und Ausgaben bei der Briefsammlung Oedt gibt ein "Cassa-Buch" Aufschluss, in dem das Kalenderjahr in drei Tertiale unterteilt war und die vom Empfänger der Postsendungen zu zahlenden Gebühren, getrennt für jede Botenpost, täglich gebucht werden mussten. Für eingeschriebene Briefe war außer der Briefgebühr das so genannte Scheingeld von 2 Silbergroschen zu zahlen. Am Ende des Kalenderjahres stellte der "Expeditor", dessen Gehalt jährlich 24 Taler betrug, in der "Recapitulation" die Einnahmen und Ausgaben zusammen und errechnete unter "Balance" den Überschuss, der von Jahr zu Jahr anstieg.

Im Jahre 1838 zum Beispiel 82 Taler, 24 Silbergroschen, 3 Pf.
1840 99 Taler, 19 Silbergroschen, 6 Pf.
1843 192 Taler, 3 Silbergroschen, 8 Pf.

Die Briefsammlung Oedt wurde 1845 in eine Postexpedition umgewandelt. Vom 1. Januar 1852 an fuhr täglich eine zweispännige Personenpost von Aldekerk über Kempen, Oedt, Süchteln nach Viersen.
Der Postexpeditionsleiter Franz Syben starb am 20. Januar 1861. Sein Stiefbruder Peter Stieger übernahm die Leitung der Postexpedition.
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Erstes Postamt, Albert-Mooren-Allee, von 1853 bis 1906
In die Amtszeit von Peter Stieger fiel die Verlegung der Postexpedition von der Hochstr. 37 zur Albert-Mooren-Allee, in das Haus neben dem Krankenhaus, dass der Familie Stieger gehörte.
In seine Amtszeit fielen auch die Einrichtung der Eisenbahnlinie von Krefeld nach Kleve am 6. März 1863 und die Eröffnung der "Crefeld-Kreis-Kempener-Industrie-Eisenbahn" von Viersen über Süchteln nach Krefeld am 1. November 1870 und von Süchteln über Oedt, Kempen nach Krefeld am 7. November 1871. Die eingerichtete Personenpost von Aldekerk nach Viersen war nun nicht mehr erforderlich, denn die Bahnen hatten die Beförderung der Personen und Post übernommen.
Die Preußische Regierung führte 1851 die Briefmarken ein, diese mussten mit einem Stempel entwertet werden.
Nach der Vereinigung von Post und Telegraphie am 1. Januar 1876, teilte das Generalpostamt sämtliche Postämter in drei Klassen ein und zwar in I, II und III (bisher Postexpeditionen). Oedt wurde fortan als "Postamt III Oedt" geführt. Der Briefmarkenentwertungsstempel trug neben dieser Postbezeichnung noch die Preußische Kenn-Nummer 1086 für Oedt.
Damals zählte die Gemeinde etwa 3000 Einwohner, die außer Landwirtschaft u. a. auf etwa 700 Hauswebstühlen die Samt- und Seidenweberei betrieben. "Postverwalter" Peter Stieger starb am 18. Januar 1878. Sein Sohn Peter Max Stieger, der seine Ausbildung als Postgehilfe am 28. August 1865 bei der Postexpedition Oedt begann, folgte ihm als "Postverwalter" und wurde am 1. August 1878 von der Oberpostdirektion Düsseldorf als Postverwalter bestätigt, mit einem Gehalt von 720,- Mark und einem Wohngeldzuschuss der "V. Servisklasse" von 180,- Mark.

Doch schon am 6. März 1880 legte er wegen der allgemeinen Verkehrszunahme in den Jahren 1878/79 - die Firma Girmes war 1879 gegründet worden - der Oberpostdirektion ein Gesuch um Gehaltsaufbesserung vor.
Ausführlich stellte er die Einnahmen (Gehalt, Wohnungsgeldzuschuss, Vergütung für den privaten Unterbeamten, Amtsbedürfnisse usw.), den jährlichen Ausgaben (Bezahlung des privaten Unterbeamten und Ortsbriefträger, Kosten für die Zustellung von Telegrammen, Amtsbedürfnisse und Miete) gegenüber. In seinem Schreiben heißt es dann weiter: "Zu diesen Auslagen kommen noch die Ausgaben für meine eigene Dienstkleidung, so dass mir nicht einmal 1000,- Mark verbleiben.
Nebengeschäfte betreibe ich nicht, da hier im Orte wegen Überhäufung von Geschäften aller Art ein lohnender Nebenerwerb nicht zu erzielen ist, zudem werde ich durch den Postdienst fast den ganzen Tag in Anspruch genommen und müsste, falls ich noch ein anderes Geschäft betreiben wollte, einen Gehilfen halten, der mir vielleicht soviel kostet, als an dem Nebenverdienst verdient würde. Des Weiteren ist der private Unterbeamte zugleich Orts- und Land-Briefträger und als solcher den Tag über auswärts.
Ich muss deshalb den Unterbeamtendienst im Dienst zusammen mit verrichten und täglich noch eine Briefpost 4.29 Uhr an der Bahn abholen. Die hier ankommenden Telegramme muss ich entweder selbst abtragen oder für das Abtragen eine Vergütung zahlen. Da zu erwarten ist, dass im nächsten Rechnungsjahr die Kosten erheblich steigen werden, hoffe ich, dass mein Gehalt für das Rechnungsjahr 1880/81 erhöht wird."
Die Oberpostdirektion antwortet am 3. Mai 1880: "Auf die Aufbesserung des Gehaltes des Herrn Postverwalters wird Betracht genommen, sobald die Verhältnisse dies gestatten". Gegenwärtig bin ich dazu noch nicht in der Lage. Dieser Bescheid war vom Leiter der Oberpostdirektion, Oberpostdirektor Lehmann, unterschrieben. Vom Reichspostamt in Berlin erhielt Stieger auf sein Gesuch vom 6. März 1880 die Genehmigung zur Übernahme des Nebenamtes als zweiter Beigeordneter der Gemeinde Oedt, unter Vorbehalte des Widerrufs.
Schließlich bekam er später noch die Genehmigung, auch das Amt des Schiedsmannes der Gemeinde Oedt auszuüben.
Am 15. September 1883 wurde die kündbare Anstellung Stiegers als "Postverwalter" in eine solche auf Lebenszeit umgewandelt. Eine Änderung des Gehaltes trat aus diesem Anlass nicht ein.
Zu dieser Zeit befanden sich die angemieteten Diensträume des Postamtes in einem Haus in der Albert-Mooren-Allee, das dem Bruder des Postverwalters gehörte. Dort hatte auch der unverheiratete Postverwalter eine aus vier Räumen bestehende Wohnung.
Ein beachtliches Ereignis im Postwesen der Gemeinde war im Jahre 1884 der Anschluss der Firma Girmes an die Fernsprechleitung Krefeld-Viersen, denn erst seit 1877 befasste sich das Deutsche Reichspostamt mit dem Fernsprecher und erst 1881 wurde das erste Berliner Fernsprechamt in Betrieb genommen. 1885, also ein Jahr nach dem Anschluss der Firma Girmes an das Fernsprechnetz, wurden in ganz Deutschland erst 15.000 Telefonanschlüsse gezählt.
Nach einem Bericht des Postverwalters an die Oberpostdirektion dauerte im Jahre 1885 beim Postamt Oedt der Dienst an den Wochentagen von 7.00 bis 12.00 und von 14.00 bis 20.00 Uhr. Nach der Morgenpost kam um 16.55 Uhr die zweite Hauptpost und um 21.30 Uhr die letzte Briefpost. Nach Eingang der zweiten Hauptpost, mussten drei Briefträger abgefertigt und die Abholerpost ausgegeben werden. Angehörige der Familie Stieger, die gelegentlich Vertretungen im Postdienst übernommen hatten, waren gestorben oder verzogen. Daher schlug der Postverwalter den Privat-Unterbeamten Linsches als Vertreter vor.
Für diese Regelung erteilte die Oberpostdirektion ihre Genehmigung unter der Voraussetzung, dass Linsches den Morseapparat bedienen kann. Das konnte er aber nicht, weil niemals eine Möglichkeit bestanden hatte, die Bedienung des Morseapparates zu erlernen, denn beim Postamt Oedt wurden bis zu dem Zeitpunkt Telegramme über den Fernsprecher empfangen und weitergeleitet.
Stieger teilte dies der Oberpostdirektion mit und erwähnte, dass Linsches unter seiner Aufsicht wöchentlich mehrere Telegramme fehlerfrei aufgenommen und übermittelt hatte, somit ihm die Befähigung für den hiesigen Telegrafendienst erteilt werden kann. Daraufhin wurde die Vertretung des Postverwalters durch den Privat-Unterbeamten genehmigt.

Im Dezember 1888 war der Telegrafendienst auf Morsebetrieb in der Leitung 785 Krefeld - Aachen umgestellt worden. Über die dann geregelte Vertretung ist nichts bekannt.
Die Überwachung des ordnungsmäßigen Dienstbetriebes war Aufgabe des bei jeder Oberpostdirektion tätigen Postinspektors, der dem Leiter der Mittelbehörde, dem Oberpostdirektor, unmittelbar unterstellt war. Im Revisions-Notizbuch schrieb der Prüfer - in der Regel zweimal im Jahr - seine Feststellungen nieder. Bei der Prüfung am 14. November 1889 lautete die Eintragung des Postinspektors Albrecht "Revisionsabschluss: Stimmt, Dienstbetrieb in Ordnung." Einige Tage später sprach Oberpostdirektor Köhne Herrn Stieger wegen des guten Zustandes des Postamtes seine Anerkennung aus.
In einem Auszug des Verwaltungsberichtes der Gemeinde Oedt aus dem Jahre 1900 steht unter anderem; "Am 15. August wurde bei dem Kaiserlichen Postamt hierselbst eine öffentliche Fernsprechstelle eröffnet, für welche die Gemeinde eine Gebühreneinnahme von 130,- Mark pro Jahr garantiert hat. Obschon die Leitung auf dem Umwege über das Postamt Süchteln an das öffentliche Fernsprechnetz angeschlossen ist und daher die Verbindungen meist erst nach langem Warten zu erreichen sind, hat die Einnahme bisher ausgereicht, die Garantie der Gemeinde zu decken. Außer den öffentlichen Fernsprechstellen Oedt und Mülhausen sind inzwischen weitere 7 Telefonanschlüsse hergestellt, davon 5 zum Postamt Grefrath und 2 nach Kempen. 1 Anschluss nach Krefeld (Girmes) bestand seit längeren Jahren, so daß insgesamt 10 Anschlüsse vorhanden sind."
Postverwalter Max Stieger wurde am 1. Januar 1904 zum Postsekretär ernannt. In der Ernennungsurkunde heißt es, "Es wird erwartet, dass derselbe seiner Majestät dem Könige und Allerhöchst Dero Königlichem Hause treu und gehorsam sein und sich stets so betragen werde, wie es sich für einen Königlichen Beamten geziemt". Unterschrieben hat die Urkunde der Oberpostdirektor Großkopf.
Laut einer Meldung vom 19. Mai 1904, bat der beim Postamt Oedt beschäftigte Postassistent Meertz unter Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung die Oberpostdirektion, "einen Vertreter nach hier zu überweisen, da der Postsekretär Stieger erkrankt ist, und der Dienst für einen Beamten hier zu anstrengend ist (täglich 13,5 Dienststunden)". Schon am folgenden Tag wurde der Postassistent Calließ vom Postamt Uerdingen nach Oedt abgeordnet, die Amtsleitung übernahm der Postassistent Meertz.
Wenige Tage später, am 31. Mai 1904, starb Postsekretär Stieger im 57. Lebensjahr an einer Lungenentzündung, nachdem er 25 Jahre lang die Vorsteherstelle mit äußerster Pflichttreue zur größten Zufriedenheit seiner vorgesetzten Behörde bekleidet hatte.
Als sein Nachfolger kam der am 14. Oktober 1864 in Grefrath geborene Hermann Küppers nach Oedt.
Er war im Dezember 1881 als Postgehilfe beim Postamt Lobberich vereidigt worden und bis zu seinem Dienstantritt beim Postamt Oedt im Jahre 1904 bei 24 Ämtern innerhalb des Oberpostdirektionsbezirkes Düsseldorf, zuletzt in Neviges, tätig gewesen.
Seit dem Bestehen der Samt- und Seidenweberei Johannes Girmes, hatte der Postverkehr mit dem Ausland stark zugenommen, im besonderen mit Nordamerika, Dänemark, Italien, Rumänien und die Schweiz. Daher kann es nicht verwundern, dass Johannes Girmes darauf bedacht war, die Postwege in Oedt möglichst kurz zu halten. So kam es nach einigen Verhandlungen, am 18. August 1905, zwischen dem Postverwalter Hermann Küppers und dem Kommerzienrat Johannes Girmes, zu einem Vertragsabschluß.
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Zweites Postamt, Joh. Girmesstr,
Darin verpflichtet sich Herr Girmes, auf seinem Firmengelände auf eigene Rechnung ein Gebäude zu errichten und es Herrn Küppers mietweise zu überlassen. Es sollte "ohne Nachteil für die Gesundheit der Post- und Telegraphen-Beamten sowie der sonstigen Nutznießer" benutzt werden können. Zur Übernahme der Kosten für die Öffnungen in den Mauern, Decken usw., die zur ober- oder unterirdischen Einführung der Telegraphen- und Fernsprech- leitungen erforderlich sein sollten, war Herr Girmes bereit. Vor- gesehen war die Vermietung für die Dauer von 15 Jahren, jährlicher Mietzins 1400 Mark, zahlbar in monatlichen Teilbeträgen am Monatsende. Am 1.November 1906 konnte das neue Postamt, mit Dienstwohnung, an der Ecke Johannes-Girmes-/Fabrikstr. bezogen werden. Vom 1.April 1907 an trat die Oberpostdirektion an Stelle des Postverwalters Küppers in den Mietvertrag ein.

Nach der amtlichen Zählung vom 1. Dezember 1910 hatte die Gemeinde Oedt 4147 Einwohner. Zu den Postämtern, die im Jahre 1912 die ausgezahlten Postanweisungen zur Weiterbearbeitung an das Postamt Krefeld einsenden mussten, gehörten neben den Ämtern Kempen, Grefrath und St. Hubert auch das Postamt Oedt und zwar montags und donnerstags.
Außer dem Vorsteher waren in diesen Jahren noch ein Schalterbeamter (Postassistent), ein Unterbeamter (u. a. für die Paketannahme) und 5 Zusteller tätig.
Der Postverwalter Hermann Küppers starb am 3. Mai 1917.
Der neue Amtsvorsteher, Wilhelm Stahm, ist am 7. März 1879 in Burgsteinfurt geboren und am 27. April 1896 als Postgehilfe beim Telegrafenamt Krefeld in den Postdienst eingetreten. Er war nach eigenen Angaben bei zahlreichen Postämtern im Bezirk Düsseldorf tätig, zuletzt von 1915 bis 1917 als Vertreter des Amtsvorstehers in Rees und kam aufgrund einer Bewerbung als Amtsvorsteher am 1. September 1917 zum Postamt Oedt.
Gleich nach Beendigung des 1. Weltkrieges sollte die Einrichtung von Schließfächern, die auf dringenden Wunsch der Handelskammern im Jahre 1901 eingeführt worden waren, wieder gefördert werden. Die Postämter wurden aufgefordert, alsbald entsprechende Anträge vorzulegen. Die Umfrage bei den Oedter Postkunden ergab, dass wegen der entfernten Lage der Post vom Ortskern kein Bedürfnis für diese Neuerung bestand.
Während der Besetzung durch militärische Einheiten nach dem ersten Weltkrieg, musste auch der Amtsvorsteher im Postgebäude zwei Zimmer von seiner Dienstwohnung zur Einquartierung eines Offiziers abgeben. Die Ostskommandantur hatte jedoch später von weiteren Einquartierungen Abstand genommen, da "durch das Ein- und Ausgehen fremder Personen und die Abgabe von Hausschlüsseln die Sicherheit der Postsendungen gefährdet war".

Die Firma Girmes hatte 1919 eine Antrag auf Erhöhung der Miete gestellt, der von der Oberpostdirektion mit dem Hinweis abgelehnt wurde, dass aufgrund der seinerzeit vereinbarten Mietzeit bis zum 31. Oktober 1921 während des noch bestehenden Vertragsverhältnisses eine Mieterhöhung nicht bewilligt werden könne. Ab 1. November 1921 trat dann die Erhöhung von bisher 1400 auf 3000 M in Kraft.
Die bisherige Einteilung der Postämter in I., II. und III. Klasse fiel im Jahre 1924 weg und wurde ersetzt in Postämter größeren, mittleren und geringeren Umfangs entsprechend den Besoldungsgruppen der Amtsvorsteher. Oedt hatte nun ein Postamt mit geringerem Umfang und als Amtsvorsteher einen Postmeister, der die Hauptkasse führte und für den Renten-, Rundfunk- und Zeitungs-Dienst zuständig war.
Anlässlich einer "Betriebs-, Kassen- und Wirtschaftsprüfung" im Mai 1930 ordnete der Prüfer an, die Nachmittags-Briefzustellung im Ortsbezirk künftig als vereinigte Zustellung mit der Vormittags-Briefzustellung auszuführen.
Das selbstständige Postamt der Nachbargemeinde Grefrath wurde, nachdem dessen Amtsvorsteher zum Postamt Krefeld versetzt worden war, am 1. September 1933 in ein Zweigpostamt umgewandelt und dem Postamt Oedt unterstellt.
Für Postmeister Stahm war Oedt die letzte Station in seiner postalischen Laufbahn. Er trat am 31. Oktober 1937 in den Ruhestand und starb am 25 Juli 1960.
Sein Nachfolger war der Postsekretär Hermann Büchner, der vom 2. Dezember 1937 bis zum 31. Oktober 1940 als Postmeister dem Postamt Oedt vorstand.
Danach war Paul Klode, vom 31. Oktober 1940 bis zum 17. April 1943 als Postverwalter im Postamt Oedt tätig und wurde anschließend zur Wehrmacht eingezogen.
Der letzte Krieg erforderte auch im Postwesen Verwaltungsvereinfachungen. Das führte dazu, daß das selbstständige Postamt Oedt (Rheinl.) am 1 Mai 1943 aufgehoben und als Zweigpostamt dem Postamt Kempen unterstellt wurde, das vom gleichen Zeitpunkt den Verwaltungs-, Hauptkassen- und Rundfunk-Dienst des Postamtes Oedt übernahm. Die Oberpostdirektion Düsseldorf hatte in ihrer Verfügung vom 27. April 1943 darauf hingewiesen, den Ausdruck "Umwandlung in ein Zweigpostamt" der Öffentlichkeit gegenüber zu vermeiden.
Durch die Kriegswirren wechseln die Zweigpostamtsvorsteher einige Male. Die genauen Zuständigkeiten in dieser Zeit und die jeweiligen Verantwortlichen sind nicht mehr genau festzustellen.
Am 1. Juni 1951, kommt der Postassistent Karl Schröder vom Postamt Osterath zum Zweigpostamt Oedt und übernimmt die Stellung als Amtsvorsteher.
In seine Zeit fällt die Kündigung des Mietvertrages über das Postgebäude durch die Firma Girmes.
Dem Amtsvorsteher Karl Schröder, folgt am 1. Januar 1953 Posthauptsekretär Willi Glutting, Zweigpostamtvorsteher in St. Hubert, als Amtsvorsteher.
Das "Zweigpostamt Oedt" wird 1959 wieder in den Status eines "Postamtes" erhoben und der Amtsvorsteher Willi Glutting führt die Bezeichnung "Betriebsleiter".
Der steigende Verkehrsumfang bei der Post ließ es immer dringlicher erscheinen, aus dem gekündigten Postgebäude in größere Räumlichkeiten auszuweichen. So wurde 1964 zum Beispiel folgender Verkehrsumfang festgestellt:
Einschreibsendungen: 5120 eingeliefert, 4987 eingegangen.
Paketsendungen: 26285 eingeliefert, 17988 eingegangen.
Zahlkarten und Postanweisungen: 28612 eingeliefert.
Zahlungsanweisungen und Postanweisungen: 8607 eingegangen.
Telegramme: 584 aufgegeben, 1143 eingegangen.

Die normale Briefpost wird leider nicht erwähnt, sie dürfte jedoch ein Vielfaches der oben genannten Zahlen gewesen sein.

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Drittes Postamt, Hochstr.39, von 1966 bis 1999
Nach langem Suchen wurde 1964 ein Grundstück an der Hochstr. 39 gefunden, auf dem ein neues Postgebäude errichtet werden sollte. Im gleichen Jahr wurde auf dem Grundstück zur Albert-Mooren-Allee hin, die neue Fernsprechvermittlungsstelle Oedt errichtet.
Das Fernsprechortsnetz Grefrath wurde danach in zwei Anschlussbereiche aufgeteilt und zwar in Anschlussbereich 1 (Grefrath mit Mülhausen) und Anschlussbereich 2 (Oedt mit Ausnahme vom Hagen, dass zu Süchteln geschaltet war).
Die Vermittlungsstelle 2 in Oedt wurde in fünfmonatiger Aufbauarbeit mit 568 Anschlussmöglichkeiten ausgestattet. Ende Juni waren 282 Anschlüsse geschaltet. Das räumliche Fassungsvermögen der Station liegt bei 2500 Anschlussmöglichkeiten, so dass die mögliche Kapazität für lange Zeit ausreicht. Die Vermittlungsstelle besitzt eine doppelte Stromzuführung und eine Akkumulatorenbatterie, damit bei Stromausfall weiter telefoniert werden kann. Die Vermittlungsstelle Oedt ist unbemannt, das heißt, alle Störungen in den technischen Einrichtungen werden in der Vermittlungsstelle Krefeld-Mitte angezeigt und von dort aus bearbeitet. Die Aufbaukosten für die technischen Einrichtungen betrugen 268.000,- DM oder 470,- DM je Anschlussmöglichkeit. Das Oberleitungstelefonnetz in Oedt, wurde in den Jahren 1963 - 1966 unterirdisch verkabelt, damit war das Telefonnetz in Oedt modernisiert und auf den neuesten technischen Stand gebracht.
Im März 1965 wurde dann der als Bauplatz für das neue Postamt vorgesehene Thönes-Hof an der Hochstr. abgebrochen. Mit den Arbeiten für die Errichtung des Postamtes wurde im Juni 1965 begonnen und bereits am 11. Juli 1966 konnten die neuen Diensträume bezogen werden. Das alte Postamt an der Johannes-Girmes-Straße wurde nach dem Postauszug von der Firma Girmes abgerissen. In der Beschreibung des neuen Postamtes heißt es: "Das neue Postamt verfügt über eine den Erfordernissen angepasste Schalterhalle, in der drei Schalterplätze eingerichtet sind; daneben stehen ausgedehnte Betriebsräume zur Verfügung so wie eine moderne Postfachanlage, die auch außerhalb der Schalterstunden zugänglich ist Ferner sind zwei Fernsprechzellen vorhanden. Die postbetrieblichen Einrichtungen enthalten genügend Reserven, um einen künftigen Verkehrsanstieg auffangen zu können. Vor dem Postamt befinden sich ein Briefkasten und drei Wertzeichengeber."
Das neue Postamt wurde am Montag, den 11. Juli 1966, um 8.00 Uhr der Öffentlichkeit übergeben. Bei der kleinen Einweihungsfeier waren neben dem Oberpostmeister Pfitzner aus Kempen, der Betriebsleiter Glutting von der Post und dem Architekten Giebelen mit seiner Gattin, die als Bauherrin zeichnete, Bürgermeister Lepers, Amtmann Missing, Assessor Busch von der IHK, die Pfarrer beider Konfessionen sowie Vertreter aus Industrie, Wirtschaft und Gemeinde zugegen. Oberpostmeister Pfitzner sagte am Ende seiner Einweihungsrede: "Was lange währt, wird endlich gut." Dieses Sprichwort umreißt treffend die Zusammenhänge zwischen alter und neuer Post und die lange Suche nach einem geeigneten Braugrundstück für das neue Postamt.
Die Gemeinde Oedt hat zu diesem Zeitpunkt etwa 5800 Einwohner. Die Firma Girmes ist der größte Arbeitgeber im Ort mit über 1000 Beschäftigten und bestimmt damit weitgehend die Geschicke der Gemeinde.
Der Betriebsleiter Willi Glutting, der den Umzug von der alten zur neuen Post vollzog, ging 1984 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der Posthauptsekretär Günter Mersmann bis 1995. Danach übernahm der Posthauptsekretär Gerfried Vermaeten aus Oedt bis 1999 die Geschicke der Oedter Post.
postagentur
Postagentur bei Zartingen, Obertor 1, ab 1999
Das Postamt Oedt wurde 1999 aus Rationalisierungsgründen aufgegeben, allerdings nur der Schalterraum. Die hinteren Diensträume und das Fernsprechvermittlungsgebäude werden auch jetzt noch von der Post genutzt. Die Brief- und Paket-Zustellung für Oedt und Grefrath wird weiterhin über die hinteren Diensträume abgewickelt, da auch die Grefrather Post aufgegeben wurde.
Als Ersatz für das Postamt Oedt wurde im Schreibwarengeschäft der Familie Zartingen am Obertor, eine Postagentur eingerichtet, die vom Posthauptsekretär Gerfried Vermaeten betreut wird.

Die vorstehende Abhandlung wurde teilweise aus folgenden Berichten übernommen:
  • Bericht von Herrn Gerhard Fabian, Amtsvorsteher u.a. bei der Post Kempen,
  • Bericht von Herrn Johannes Lipp in "800 Jahre Oedt",
  • Verwaltungsberichte der Gemeinde Oedt
  • Bericht über die Oedter Post vom Postarchiv Kempen
  • Unterlagen im Archiv des Heimatverein Oedt
  • Fotos: Heimatverein Oedt e.V.