Heimatverein Oedt e.V.

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Der Heimer Wald

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heimer_wald_02Der Wald liegt im Oedter Schleckbruch und wird von den alten Oedtern "Heimer Wald" genannt. Er liegt auf Kempener Gebiet. In Kempen oder beim Kreis Viersen kannte bei meiner Anfrage keiner die Bezeichnung Heimer Wald. Mitunter hörte ich die Bezeichnung "Hongersboosch", "Bremmesboosch" und "Ärmenboosch". Aber die alten Oedter wissen genau, was mit Heimer Wald gemeint ist. So manche Oedter können bestimmt viele schöne, spannende oder schaurige Geschichten über ihn erzählen.

 

heimer_wald_01Heute sind die über 200 Jahre  alten Buchen vom Kreis Viersen erfasst und mit Nummern versehen.
Der schöne, romantische Buchenhain des Heimer Waldes war ein beliebter Aufenthaltsort für die Oedter Jugend.

Erinnerungen aus der Kindheit:
Ich weiß noch, dass ich mit dem Kindergarten an der Marktstrasse unter Leitung von Schwester Bertild, Fräulein Elisabeth, Fräulein Maria, Fräulein Irene und auch andere, an deren Name ich mich nicht mehr erinnern kann, mit den Ältesten der Kindergartenkinder in den Heimer Wald zogen. Dort im Buchenhain ließen wir uns nieder und machten einige für uns Kinder abenteuerliche Spiele. Später in der Volksschule kam es seltener vor, dass wir, wenn wir alle sehr fleißig und achtsam gewesen waren, für ein oder zwei Stunden in den Heimer Wald gingen.
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Im Herbst, wenn die Bucheckern reif waren, lasen wir diese vom Boden auf, aßen sie  und nahmen auch unsere Hosentaschen voll mit nach Hause. Oft bekamen wir dann starke Kopfschmerzen und andere Beschwerden, weil wir die Schalen mit unsren Zähnen abpullten und nicht wussten, dass die Schale der Bucheckern den Giftstoff  Fagin enthält. Später erfuhren wir, dass durch Rösten die Eckern von diesem Stoff befreit werden.
Auch Pfadfinder und Messdiener aus Oedt gingen abends mit ihren Gruppenführern in den Heimer Wald um dort Verstecken oder  Räuber und Schandarm zu spielen. Wenn die Dämmerung einsetzte, waren die Spiele besonders spannend. Nach ein paar Stunden gingen wir ziemlich müde nach Hause.

Die Spiele haben folgende Regeln:
Verstecken
Verstecken gehört zu den sehr beliebten Kinderspielen, die jeder schon mal gespielt hat. Alle Teilnehmer (bis auf einen) verstecken sich im gesamten Spielfeld. Der verbliebene Spieler muss nach einer kleinen Wartepause (langsam und laut von 1 bis ca. 30 zählen) versuchen, die versteckten Mitspieler so schnell wie möglich zu finden.
Als Spielfeld verwendet man am besten ein großen Grundstück oder besser ein Waldstück, das viele Versteckmöglichkeiten hat. Gewonnen hat der Spieler, der sich am besten versteckt hat, und nicht gefunden wurde.

Räuber und Gendarm zu Spielen ist ein absoluter Klassiker den ein jeder kennt und der ganz ohne Vorbereitung gespielt werden kann.
Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Die Gruppe wird in 2 Teilgruppen geteilt. Eine Größere (die Räuber), die sich verstecken muss und eine Kleinere (die Gendarme). Die Gendarme müssen jetzt versuchen alle Räuber zu finden und diese dann auch fangen. Ein gefangener Räuber muss sofort in das Gefängnis gehen (dazu eignet sich sehr gut ein Baum, der besonders markiert ist). Alle gefangenen Räuber müssen immer in unmittelbarer Nähe zum Gefängnis sein. Gefangene können aber auch befreit werden. Wenn ein nicht gefangener Räuber einen Gefangenen abschlägt, ist dieser frei und darf sich wieder verstecken.
Das Spiel ist zu Ende, wenn alle Räuber gefangen sind.

Edeltraud Spee erinnerte sich auch sehr genau, dass sie Anfang der 50er Jahre mit ihrer Klasse einen Schulausflug in den Heimer Wald unternahm. Die Lehrerin Paula Kronen hat dort die heimischen Bäume und auch die Vogelstimmen erklärt.

heimer_wald_05Sehr beliebt bei den Oedter Kindern war auch nach einem Spaziergang mit den Eltern durch den Heimer Wald der anschließende Besuch der Gastwirtschaft Rongelraths mit der gelben Limonade und vor allem der großen Schaukel. Heute existiert dort leider keine Gastwirtschaft mehr.

Eine andere (Messdiener-)Geschichte:
Es muss vor Ostern 1954 gewesen sein. Die Messdiener von St. Vitus Oedt  sammelten für die Osterdankgabe an die Messdiener bei den Oedter Geschäftsleuten und Bauern Eier und Süßigkeiten. Dazu zogen meist jeweils zwei Jungen mit einem Bollerwagen oder Handkarren von Geschäft zu Geschäft und von Bauernhof zu Bauernhof. Mit einem anderen Oedter Messdiener  hatte ich das östliche Gebiet von Oedt abzufahren. Die Ortsgrenzen legten wir immer großzügig aus, ging es uns doch darum, möglichst viel zu sammeln. Unsere Frage an die Bauern war dabei: "Besuchen sie unsere Messen in St. Vitus"? Uns war kein Weg zu weit. So kam es, dass wir zu den Höfen an der heutigen Straße "Am Haus Steinfunder" in Höhe des Graves Hofes durch den Heimer Wald  gingen. Da sahen wir rechts vom Weg vor dem Kaninchendraht etwas Braunes liegen. Beim genauen Hinsehen sahen wir ein totes Reh. Was war nun zu  tun? Wir entschieden uns, weiter bis zum Bremmeshof zu gehen und dies dort zu melden. Dort angekommen, die Türe öffnete der Kleidung nach ein Jäger. dachten wir, hier sind wir richtig. Es war Ludwig Goetschkes. Ohne lange zu zögern ging er nach unserer kurzen Schilderungen sofort mit zum Fundort. Er weidete das Reh aus, nahm es auf seine Schultern und trug es zum Hof. Das war für uns sehr beeindruckend, denn so etwas hatten wir noch nie gesehen. Auf unsere Frage was mit den Eingeweiden, die nun im Wald liegen geblieben waren geschehe sagte er nur: "Die Füchse wollen auch ihren Anteil."

Um mehr über den Heimer Wald zu erfahren, besuchte ich am 17. August 2010 Josef Goetschkes, der 1959 den Hof von seinem Onkel Ludwig übernahm.
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Josef Goetschkes  erzählte folgendes:
"Den Bauernhof von 1896 hatte Onkel Ludwig einige Jahre verpachtet bevor Josef Goetschkes von Nettetal nach Oedt zog und den Hof übernahm. Der Hof war total herunter gekommen. Kein Vieh aber tausend Ratten und alles kaputt. Bevor Vieh wieder angeschafft wurde, mussten die Ställe und Scheunen wieder hergerichtet werden."
Josef Goetschkes erzählte weiter, dass die Oedter nach dem Krieg im Heimer  Wald ihr Brennholz kostenlos sammeln konnten.
Im Heimer Wald gab es, wie er sagte, seit 1896  immer sehr viel Wild: Rehe, Füchse, Kaninchen, Wildkatzen und alle heimischen Waldvogelarten.
Einmal hatte er mit Bert Specker aufgrund einer Zeitungsanzeige die seltenen Kanadischen Wildputen, einen Hahn und zwei Hennen gekauft und in einem geschützten Bereich  weitergezüchtet. Die Zucht klappte recht gut im Heimer Wald.
Eines schlechten Tages waren die kostbaren Tiere gestohlen. Danach wollten die Züchter Goetschkes und Specker nicht mehr mit der Zucht  neu beginnen.

In seiner Wohnung hat Josef Goetschkes viele präparierte Tiere und Vögel aus dem  Heimer Wald. Es sind Jagdtrophäen auf  die er stolz ist.

Einmal erwischte  Josef Goetschkes Kinder, die Feuer im Wald machten. Er wies auf die Gefährlichkeit hin. Die angesprochenen Kinder fragten ihn, ob er beweisen könnte, dass er der Waldbesitzer sei. Später, als aus Sicherheitsgründen die Polizei kam, waren sie spurlos verschwunden.
Er erzählte weiter:
Liebespaare suchten öfters im Heimer Wald ihre Ruhe.

Er beklagte auch, dass auf der vorbeiführenden Landstraße L444 auch heute noch jedes Jahr Rehe von Kraftfahrzeugen angefahren werden die dann  elendig verenden.
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Es gibt bestimmt noch sehr vieles über unseren Heimer Wald auf Kempener Gebiet zu erzählen. Jeder ist aufgefordert, seine Erlebnisse oder Eindrücke niederzuschreiben und uns für das Archiv zukommen zu lassen.